Papadokulus macht auf Athen für Anfänger!

Athen für Anfänger deshalb, weil wir heute genau die Wege abgegangen sind, die man geht, um das who is who der kulurellen – visuellen – touristischen Highlights in Athen zu erwandern.

Früher war es immer so, daß ich dachte, ich wäre als Reisender etwas besonderes. Ich bin anders, dachte ich. Ich bin kein Tourist, dachte ich. Ich bin irgendie näher am “Eigentlichen”, an den Menschen, am Land, an dem “Griechen” als solchem, dachte ich. Vielleicht war es früher auch alles etwas anders, so genau lässt sich das nicht sagen, aber heute bin ich hier ein Tourist und das maximale Ziel besteht darin, unter den versammelten Deppen ein kleiner zu sein.

Die Metrostation Syntagma ist der Ausgangspunkt und der Endpunkt der heutigen Rundreise durch jene 3% von Athen das wahrscheinlich 99% aller Besucher kennen und niemals, so wie ich auch, darüber hinauskommen werden.

Wenn Ihr Euch das obige Bild anschaut und vorstellt, ich würde micht umdrehen, würdet Ihr sehen wie sich in meinem Rücken die Palastwache auswechselt. Mit lustigen Bommelschuhen, feschen Mützchen und einem prima Batmanumhang marschieren sie gerade von links nach rechts im Entenschritt und es ist mir eine große Freude diesen Wachwechsel aufmerksam zu beobachten. Als ich anhebe ebenfalls wach zu wechseln kommt ein: “Papa, hör auf” angeflogen, was mich sofort zur Besinnung ruft.

Von Syntagma aus führt unser Weg nun durch einen Park mit Ziegen und Palmen, vorbei an einem schicken Gebäude in dem Athene erster Olivenbaum gestanden haben soll, direkt zu einem Tempel von dem wir, durch die überaus atraktive Pförtnerin erfahren, daß es sich um den Zeustempel handelt.

Den Zeustempel haben die Athener, wie ich lernen durfte übrigens von einem römischen Kaiser bezahlt bekommen, wie auch das Hadrianstor und diverse andere Gebäude denen wir heute mit Ehrfurcht begegnen. Man könnte ob der Importe ein bischen ins schwadronieren kommen und meinen, es handle sich um eine gute, alte Tradition, daß mehr Geld nach Griechenland hineinfließt, als….

Im Angesicht der Schönheit dieser Stadt pfeiff ich allerdings was auf diesen Aspekt der Geschichte.

Überaus atraktiv ist in Athen übrigens nicht nur das “Alte” und “Steinerne”. Was ich hier heute an Coolness, Attraktivität, Eleganz und Schönheit gesehen habe, männlich wie weiblich war extrem beeindruckend. Ich gebs zu, ich hab mehr auf die Frauen als auf die Männer gelinst, will aber an dieser Stelle nicht ungerecht sein. Ihr seid alle schön, Ihr Griechen.

Man hält mich hier übrigens dauernd für einen Griechen, was mich natürlich vor dem Hindergrund des eben beschriebenen ehrt.

Hallo Ihr Griechen, nennt mich Papadokulus.

So ein Zeustempel ist eine feine Sache um Töchter zu beindrucken. Man kann erzählen was eine Steinrolle wiegt und schätzt dabei großzügig selbst. Man kann erzählen wie lange die Menschen damals brauchten, bis…… wie schwer sie es hatten, um….. wie gefärlich es war, wenn…. Mit jeder präsentierter Geschichtlichkeit wächst die eigene Wichtigkeit.

Wichtig ist auch alles was nicht berührt werden darf, weshalb selbst einfach Steine von 3m x 2m x 1m Länge hier mit “do not touch” Schildchen versehen wurden auf das der gefürchtete Handschweiß sie nicht zerstöre.

Vom Zeustempel weg bewegten wir uns nun zielstrebig in Richtung Akropolis. Hier kamen wir zum ersten mal mit den Ausläufern der berühmten Plaka in Berührung. Einem Stadtteil der mit seinen kleinen Gassen einfach wunderbar romantisch und mit seinen huntertausend Plasikperlen -Tshirt-Olivenöl-Silberschmuck-Lederschlappen-Schuh-Möbel-Plez-Badeschwämmchenläden hinreißend bunt und unterhaltsam ist.

Abseits dieses Trubels entdeckt man jedoch manchmal die wahren Perlen einer solchen Reise. Dinge die man bislang nicht kannte. Wissen, daß sich einem schlagartig offenbart. Wie kommen die Oliven auf die Zahnstocher? Eine Frage die sich mir erst gestellt hat, nach dem die Lösung  sich großzügig selbst offenbarte.

Nun aber endgültig auf dem Weg zur Akropolis stellte sich die Frage wo denn der Eingang bzw. Aufgang zur selbigen ist. Als guter Tourist hatte ich zwar in der Thalia Buchhandlung in den Schönhauser Alleearkaden noch einen Stadtplan erstanden, der lag nun aber da wo alle Pläne liegen wenn man sie braucht, im Hotelzimmer. Also war die Devise: immer bergauf über die Nordflanke, irgendwo wird schon der Eingang sein.

Der Weg zur Akropolis ist allein schon wunderbar. Zwischen den geduckten Häuschen der Plaka winden sich zig Gässchen immer weiter hinauf und schließlich endet man unterhalb des Felsens an einem Zaun. Dieser rieglt das Gelände vor unbefugtem Zutritt ab und verhindert, daß unerschrockene Väter die Akropolis mit Ihren Töchtern über die Felswand erklimmen Am Zaun stellte sich die Frage: links oder rechts?

Vor so einer Entscheidung wird meine Wahl immer für links Fallen und so kamen wir auf einen Weg der uns links herum so lange um den gesamten Berg führte bis ich mit meiner Entscheidung schließlich recht behielt. Geführt hat uns dieser Weg aber vorbei an atemberaubenden Aussichten auf die Stadt die, wie ich mermals bemerkt hab, erstaunlich ruhig ist wenn man die unglaublichen Dimensionen berücksichtigt.

Man meint es müsste eigentlich Brummen und Hupen und Schreien, aber wir stehen hier und schauen auf eine ruhige friedliche, etwas smokig- neblig gelbe Stadt und denken darüber nach, warum es hier so still ist und was die Athener wohl lachen würden wenn sie erführen, daß es in anderen Städten grüne Plaketten gibt.

Die Metrokarten gut sichtbar in der Handytasche verstaut, so trägt Athene gerne ihr bandee:

Endlich hatten wir es geschafft und den Eingang gefunden. Das Eintrittssystem in Athen und ist übrigens ziemlich überschaubar. Da wo man gerade hinein will, bei uns wars zuerst der Zeustempel, bekommt man Eintrittskarten für 12,00 Euro. Kinder bis 14 Jahren sind frei. Von der Eintrittskarte werden dann, wenn man in ein anders Museum oder zur Akropolis wechselt verschieden Abschnitte abgerissen , wodurch man nicht überall aufs neue bezahlen muss. Ein Ticket hier, ein Ticket da, für die Akropolis ein eigener Ticketabriss mit Aufdruck. Das Akropolismuseum selbst muss aber getrennt bezahlt werden, ist mit 5,00 Euro aber erschwinglich.

Es ist und bleibt einfach etwas großes hier oben zu stehen, auch wenn die eigne Gattung tausenfach mit anwesend ist. Homo Fotografensis in Massen, doch wäre ich nicht einer von Ihnen, es gäbe im ganzen Text kein einziges Bild.

Der Parthenon ist natürlich überwältigend. Diese Säulen  – die Friesen – diese Kapitäne, einfach super. Warum nun aber ausgerechnet in dieser Höhe während der Bauarbeiten ein Pferd zerquetscht wurde erschließt sich vermutlich nur dem eingeweihten. Den Eingeweiden des Pferdes hingegen war es abträglich.

Empfehlenswert ist übrigens das Akropolismuseum das wir zwar zu einem späteren Zeitpunkt besuchten, aber das hier nun auf Grund der inhaltlichen Zugehörigkeit kurz erwähnt wird. Man kann das Museum allein schon wegen der Architektur besuchen, ohne Scherz. Es ist klasse gemacht und mit seinen durchsichtigen Panzerglasböden eine echte Freude für Leute mit Höhenangst.

Tatsächlich zögert man schon, wenn man diese Fenster in die Unterwelt zum ersten mal betritt und wahrnimmt, daß sich unter den eigenen Füßen ein Abgrund auftut der bis auf die ausgegrabenen Schichten der Antike reicht. Egal welcher Athener hier ein Loch macht, er muss immer damit rechnen, auf das Häuschen der Ur-Ur-Ur-…… Omma zu stoßen. Das ganze Museum steht auf Säulen, zumindest der sichtbare Teil und in den einzelnen drei Geschoßen sind die Böden ebenfalls aus Panzerglas so daß man vom obersten Geschoß bestimmt 20m in die Tiefe blicken kann.

Super gemacht finde ich, daß sich die Akropolis in der Fassade des Museum spiegelt. Ein ganz großer Wurf für ein Museumsbau. Bei den zwei Männern handelt es vermutlich um Götter. Links Zeus und rechts Poseidon, der als Zeichen seiner Würde gerne auch mit Putzeimer dargestellt wird.

Außer auf die Tempel hat man von der Akropolis aus auch natürlich einen hervorragenden Blick auf die Stadt und kann mit entsprendem Zoomfaktor in die privaten Dachgärten der Athener eindringen ohne daß diese es bemerken.

Es muss doch etwas wunderbares sein diese Dachterasse zu besitzen. Einerseits liegt sie am Fuß der Geschichte, andererseits liegt sie auf Augenhöhe mit dem Stadion, dann reckt sie sich noch über den Leib der Stadt hinaus und liegt doch nicht am Arsch der Welt. Anatomisch betrachtet eine einzigartige Lage.

Runter von der Akropolis führte uns unser Weg vorbei am Tempel des Hephaistos. Der Göttersohn von Zeus und Hera kam, wie man hört klein, hässlich und schreiend zur Welt und wurde deshalb von seiner Mutter Hera just nach der Geburt vom Olymp geschleudert. Das ist natürlich eine riesen Sauerei, lässt sich aber heute nicht mehr ändern. Ob dieser verkorksten Kindheit hat man dem Jüngling später eine schicke Immobilie in Zentrumsnähe gewidmet. Obs geholfen hat ist nicht überliefert.

Ob  es sich bei diesen zwei Megakörbchen tatsächlich um den versteinerten BH Athenes handelt ist Quellentechnisch nicht belegt, kann aber angesichts der Form und Lage gerne gemutmaßt werden.

Ganz in der Nähe, genaugenommen direkt gegenüber dem Tempel des Hephaistos befindet sich der Nachbau eines alten Schulhauses, der Stoa des Attalos.

Hier lehrten, soffen, grübelten und stritten die ortsansässigen Philosophen. Der Nachbau ist wegen seiner Säulenhalle und der nun endlich einmal sichtbaren Dachkonstruktion aus Holz sowie der Länge und Höhe der Halle wirklich beeindruckend. Im Untergeschoß befindet sich ein Museum, daß in langen volkommen unspannenden Vitrinenreihen viele Dinge zeigt. Im hinteren Teil fanden wir aber zu unserer großen Freude sehr saubere öffentliche Toiletten und einen kostenlosen Trinkkwasserspender.

Nach unserem Besuch in der Stoa kam dann der Wiedereintritt ins Unsiversum des Konsums. Raus aus der Welt der Kultur und Kulturinnen, hinein in die Plaka mit seinen Geschäften und Halstuchverkäufern. Der Besuch in einem Kaffehaus, um die nun schon reichlich strapazierten Füsschen mal lang zu strecken war mehr als angesagt.

Die kleinen Häuschen, die Händler, die Möbel. Ach was gibt es hier schöne Möbel die Zuhause den eh schon schmalen Platz noch weiter minimieren könnten.

Es gibt hier auch sehr viel Olivenseife von der man nun tasächlich nie genug besitzen kann. Unser Weg führte ab hier zurück zur Syntagma durch die belebteste Einkaufsstrasse der Gegend. So recht viel los ist derzeit hier nicht  und die Händler schienen nicht so amüsiert über die wenigen Besucher. Reduziert ist hier derzeit auch einiges, so finden sich zahlreiche Schildchen an Geschäften die auf großzügige Rabatte hinweisen.

Ich bin ja kein freund von Pelztierkleidung, aber sollte es unter den Lesern und Leserinnen ein paar Russen/ Russinnen aus Nowosibirsk oder der sonst so weiten Tundra geben, dann kann ich nur empfehlen, den jährlichen Plezmantel dieses mal in Athen zu kaufen. Es gibt hier Preisschildchen, die von 8.400,00 Euro Preisreduktionen auf 3.100,00 Euro ausweisen. Es könnte aber auch sein, daß die Tiere Flöhe hatten und dies einfach sehr spät zu Tage trat, was in der Folge den abrupten Preissturz erklärt.

Athen ist aber auch ohne die Schnäppchenjägerei definitiv eine Reise wert. Besonders Syntagma ist mir sehr ans Herz gewachsen. Ich wurde spontan ein großer Freund der Treppen und dorischen Kapitäne dort und konnte nicht anders als Sie zu fotografieren.

Morgen gehts nach Piräsus und wenns klappt leihen wir uns einen Roller und zischen die Küste runter.

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