1x Piräus – Poseidon und zurück. Athen zum dritten und letzten.

Neuer Tag, neues Glück. Seit zwei Tagen sind wir nun in Athen und genießen es komplett. Von Berlin hören wir am Telefon, daß es kalt, hässlich und total ungemütlich ist, was wir mit schwärmereien über Palmen, blauen Himmel und kurze Ärmel quittieren. Ah – und Ohs entlocken wir unseren wechselnden Gesprächspartner Zuhause und genießen das Leben.

Guten Morgen Athen – Guten Morgen Griechenland, deine Touris sind Reif für einen neuen Tag.

Nach dem wir uns gestern die Füße rund liefen, haben wir beschlossen, es heute langsamer anzugehen, was das Laufen anbelangt. Außerdem wollen wir die Küste und das Meer sehen bevor es zurück in die Kälte geht. Solange wir hier sind denkt niemand an die uns bevorstehenden langen dunklen Wintermonate, allein mit unserem Trockenfisch im Iglu. Durch die Schönhauser streifen die Wölfe und die Post wird mit dem Rentierschlitten ausgefahren. Brrrr….. nein, wir wollen jetzt Wärme inhalieren – Leben, noch einmal die Sonne sehen. Ist das zuviel verlangt?

Ganz klar, unser heutiger Weg führte nach Piräus und wir wollten uns einen Roller oder ein Moped mieten um ein bischen die Küste hoch zu Fahren – so der Plan. Ich bin übrigens immer extrem dankbar, wenn die Beschilderung auch für mich lesbar ist. Gelegentlich hatte ich das Gefühl, man könnte verschiedenes auch ableiten, aber mal ehrlich, ich würde hier auf Mos Peipala tippen, die nächte Raumschiffstation nach Mos Eisley auf Tatooine.

Schön ist es auch, daß wir hätten Räder mitnehmen können wenn wir welche gehabt hätten. Ich finds super und bin auch von der freundlichkeit des Schildes als solchem angetan. Ich könnte mir vorstellen, daß viele Touristen sich einfach mal ein Rad mieten nur um es in der Metro dabei haben zu dürfen.

Ich kann die Athener Metro garnicht oft genug loben. Sie ist hell, sauber mit vielen bunten Stationen ausgestattet, gut beschildert und steht voller hübscher Mädels und Jungs die leicht in den Knieen federn zur allgegenwärtigen griechischen Musik,  welche über die Lautsprecher zentral für alle Bahnhöfe ausgestrahlt wird.

Man steigt zur ersten Strophe irgendwo ein und vier Stationen später kann man bei der dritten Strophe wieder aussteigen. Manchmal ist es so, daß die Athener Metrofahrer mitsingen und schunkeln und die ganze Metro während der Fahrt im Rythmus der Musik wippt. Wir haben Bahnsteige voller singender und tanzender Menschen gesehen die “Athen – Athen” sangen “….. its up to you Athen – Athen. If I can make it there, I make it anywhere………”

Richtung Piräus geht es übrigens wieder am berühmten Tempel des Hephaistos vorbei der von seiner Mutter Hera bis nach Templin geschleudert wurde und dort lange als Schläfer, pardon, Schäfer jobbte.

Die Ankunft in Piräus ist ungefähr genauso wie man es sich ausmalen würde, müsste man es beschreiben ohne es je gesehen zu haben. Die Bahn endet am Hafen und tritt man durch die Pforte sieht man ein großes phönizisches Handelsschiff dessen einziges Ziel es ist den Menschen Dinge zu verkaufen die sie im Leben nicht brauchen werden.

Durch den Ausgang nach links trifft man schnell auf viele Geschäfte für Fährfahrkarten und durch den Ausgang nach rechts ist es genauso. Da wir den Plan hatten einen Roller zu mieten suchten wir unach einem Rollerverleih, hatten jedoch keinen Erfolg. In der unmittelbaren Umgebung der Station wechseln sich lediglich Motorbootbedarfgeschäfte mit Fischläden und Bäckereien ab. Weit und breit gab es kein Roller oder Moped verleih. Eine echte Marktlück hier.

Wie haben uns dann eine der Bäckerein ausgesucht um nach einem Verleih zu fragen und wurden auf einen Weg geschickt, der gut beschrieben schließlich an einer Autovermietung endete. Egal. Flexibilität ist unser Vorname weshalb wir entschieden auf ein Auto umzuschwenken.

Man stelle sich ein Büro vor mit locker 20 Schreibtischen und Computern auf den Tischen und das vorhandene Personal beschränkt sich auf einen einzelnen Mann, der tapfer die Stellung zu halten scheint, weil hier wohl derzeit absolut niemand ein Auto mieten will.

Ob das nun an der Krise oder an den Autos liegt kann ich nicht beurteilen, aber bessere zeiten muss dieser laden schon gesehen haben, denn arg viel schlechter kanns nicht sein.

Ich sagte zwar: “any car- but cheap”, aber daß die Mühle so “any” war, hatte ich nicht erwartet. Ich will nicht mosern, diese Schüssel hat uns zu Poseidon und zurück gebracht, aber die ganze Zeit über leuchtete das Getriebesymbol und die Kiste roch so pervers nach Sprit, daß wir nur mit offenem Fenster fahren konnten. Ich will auch nicht nicht vorgreifen, denn ein kleines Geschichten gibt es auch noch zu dem Auto zu erzählen.

Schön und hilfreich war es, daß wir auch gleich einen Vorschlag gemacht bekamen wohin wir fahren könnten, nämlich zum Tempel des Poseidon, 70 km die Küste runter. Zunächst mussten wir aber erstmal tanken, die Kiste war nämlich fast leer.

Das Tanken ist in Griechenland genausowenig ein Quell der Freude wie hier. Witzig fand ich allerding, daß man Knöpfchen drücken durfte um den Betrag zu wählen für den man zu bezahlen gewillt ist.

Nun war die Schleuder mit 17l plötzlich fast voll was nun wiederum garnicht passte uns aber dann doch leidlich egal war, haupstsache die Kiste fährt. Wir fuhren los die Küste runter und wir haben es genossen. Tatsächlich kann man fast nicht falsch fahren von Piräus zum Poseidontempel, wenn man darauf achtet, daß rechterhand das Meer und linkerhand das Land ist. Ich hab es aber trotzdem fertiggebracht, daß das Meer auf einmal links war.

Hat man sich erst einmal ein bischen verfahren, wird man feststellen, daß es nur noch Strassenschilder gibt die in griechisch geschrieben sind. Man muss dann einfach so lange konsequent irgendwohin fahren bis sich das ändert. Dieser Prozess dauerte bei uns ca.20 Minuten, ab dann kam wieder ein Schild das wir lesen konnten und alsbald fuhren wir doch noch glücklich die Küste entlang.

Parallel zur Küste verläuft übrigens auch eine Strassenbahn die sozusagen genau am Strand entlang fährt. Hätte ich das vorher gewusst, hätten wir auch versuchen können mit der Bahn zu fahren, allerdings endet diese bald und zu Fuß wären es von dort aus wo die Bahn endet noch sicher drei Tagesmärsche zum guten Poseidon gewesen.

Die Strecke bot manchen schönen Ausblick und auch eine kleine Polizeikontrolle gab es zu sehen. Leider hab ich die Motoräder der berittenen Polizei nicht fotografiert, aber es handelt sich um abolut schicke Aprilia- Kisten die bestimmt abgehen wie Schmidts Katze wenn man erst mal den Hebel auf den Tisch legt.

Nach gut einer Stunde kam der Tempel schon von weitem in Sicht. Er liegt hoch auf einem Flesen mit hervoragender Sicht auf das Meer, alles andere wäre volkommen unangemessen. Beste Lage also für den Gott des Meeres, sozusagen mit Arschbombenoption vom Fensterbrett aus.

Wir hatten übrigens unsere restlichen Eintrittskarten von gestern vergessen, aber ich mutmaße mal, daß unsere Athener Eintrittskarten auch hier gültig gewesen wären.

Parken kann man direkt unterhalb des Tempels an einem Restaurant. Hier stand auch das Auto was uns der Vermieter hatte eigentlich geben wollen. Ich bezweifle ob wir hier mit 17l auch zu einer nahezu vollen Tankuhr gekommen wären, wahrscheinlich zieht das Ding schon allein für die Standheizung 17l durch.

Wir haben übrigens zielsicher auch die Besitzer des Wagens ausfindig machen können. Wie sahen die beiden schon von weitem. Er, groß wie ein Baum, wahrscheinlich war er der Bodygard, Sie schlank wie eine Drossel und mit Schuhen die hier so unangebracht waren, daß der Bodygard Sie fast hätte den Berg herunter tragen müssen.

Alles hat eben seinen Preis und wer schön sein will, der besucht den Poseidontempel auch in Highheels.

Poseidons Tempel:

Poseidons Briefkasten:

Nachrichten die damals der Größe der Briefe wegen nicht zugestellt werden konnten meißelte man kurzerhand auf die Steine rings herum.

Poseidons Grundstück und Aussicht:

Kultur ist eine feine Sache solange man nicht Pipi muss. Plötzlich endelt die Geduld mit der Templerei rasend schnell und man fragt sich, ob es irgendwie rein karmatechnisch ein Problem sein könnte, wenn man gegen den Tempel des Poseidon biselt?

Wir wollten es nicht testen, haben schon genug Stress mit selbst erwählten Halbgöttern vom Ordnungsamt in Berlin und daraus unsere Lehren gezogen. Das bereits beim Einparken kritisch beäugte Restaurant wird nun zu unserem eiligen Anlaufziel. Im vorbeigehen an der Eintrittskasse frag ich mich ob wir wohl den Mindestzeitraum welcher dem Poseidontempel von Kultur wegen zukommt eingehalten haben, oder ob wir als Banausen gehandelt werden, weil wir für einen Poseidontempel mit vollen Bläschen nur ganze 18 Minuten brauchten.

Genaue Angaben wie lange man der Ordnung halber Tempel zu besichtigen hat um nicht als Banause zu gelten finden sich unter www. binicheinbanause.de

Im Restaurant blieben wir deutlich länger und hatten eine heiße Schokolade und einen Frappe der ein Genuss war.

Die Griechen haben übrigens das zweifelhafte Vergnügen 23% MwSt bezahlen zu dürfen. Berücksichtigt man noch die Spritpreise und beamt sich diese Situation mit dem geistigen Auge nach Berlin, ich bin sicher der ADAC würde zu Massendemos aufrufen und präventiv Waffen in Pakistan einkaufen um gewaltsam einzuschreiten.

Nach dem wir das mit dem Tempel nun hinter uns hatten, fuhren wir nun zurück in Richtung Athen, nicht aber ohne nach einem netten Plätzchen Ausschau zu halten an dem wir noch kurz in die Fluten springen zu konnten. In dieser Gegend scheinen die letztjährigen Feuer übrigens hart zugeschlagen zu haben. Viele Bäume und Büsche, ganze Berghänge sind bis zum Meer hinunter abgebrannt. Vereinzelt sieht man auch die Reste von bis auf die Grundmauern abgerannten Häusern.

Wenige Kilometer vom Tempel entfernt wurden wir bereits fündig und fuhren dekadenterweise bis fast ans Meer, was übrigens alle so machten. Die Schnauze des guten Autos in den Wind geparkt bemerkten wir nicht das Drama das sich nun anbahnen sollte. Unser Auto bekam Sonnenbrand und während wir parkten Schritt der Prozess so schnell voran, daß ich Glück hatte den Ablösungsprozess des Lackes noch eben so dokumentieren zu können.

Was eben noch eine winzige Stelle auf der Stoßstange war wurde vom Wind scheins aufgezogen und abgeblasen. Zum Glück hab ich das Stückchen Lack gleich gesichert und da es ja absolut Null Kratzspuren gab, wurde mir später beim Abgeben versichert, daß keine weiteren Probleme entünden. Warten wirs mal ab.

Auf jeden Fall wurde bei ca. 20C  Wassertemperatur gebadet und der aufkommende Wind sorgte für Wellen die wir mit großer Freude absurften. Der Wind soll übrigens schlechtes Wetter bringen und wenn ich das richtig sehe haben wir ein super Zeitfenster für unseren kleinen Trip erwischt.

Auf dem Rückweg haben wir dann viele Mopeds und Roller gesehen deren Fahrer ohne Helm fuhren und ich glaube, daß die Helmpflicht hier noch nicht eingeführt wurde. Es scheint aber eine Pflicht zu geben, auf  jedem Moped ein Mädel mit auf dem Sozius mitsich zu führen, was ich nun wiederum für eine sehr sinvolle Regelung halte.

Wir haben unsere Perle mit ohne Lack abgegeben und sind dann mit der geliebten Metro zurück ins Städtchen gefahren. Essen waren wir dann auch noch und haben eine Grillteller für eine Person bestellt, mit zwei Gedecken, den wir zusammen nicht packten, so groß war die Portion. Es war noch viel auf dem Teller als die ersten Kätzchen eintrafen, süß sind die und es gibt viele von Ihnen. Eine war allerdings besonders süß, eine kleine schwarze mit riesigen Ohren und großen Kulleraugen.

Meine große bestand nun darauf diese zu füttern was ich strikt untersagte. Wir debattierten eine Zeit lang hin und her. Dann viel er der zentrale Satz der mir noch lange in Erinnerung bleiben wird. “Wir sind doch in Griechenland, also muss auch dieses Kätzchen unter den Rettungsschirm”.

Das Kätzchen muss unter den Rettungsschirm, schöner kann man es nicht sagen. Es ist eben nicht immer alles eine Frage der Vernunft, manche Entscheidungen müssen mit dem Herzen getroffen werden.

Unsere Reise neigt sich dem Ende entgegen und morgen fliegen wir nach Hause. Schön wars. Den morgigen Tag werde ich nicht weiter dokumentieren, denn es wartet zu viel Arbeit auf mich. Ich hoffe ich konnte Euch ein wenig unterhalten und wünsch uns eine gute Heimreise und Euch noch einen schönen Abend.

 

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