Manga – Erfolgreicher Exportschlager aus Nippon

Der folgende Artikel ist ein Gastbeitrag von dem Kinderbuchillustrator Christian Badel. Er reiste als Preisträger der Robert-Bosch-Stiftung für 14 Tage nach Japan um dort mehr über das Manga zu erfahren. Viel gesehen hat er, viel gezeichnet hat er und da es sich für Ihn nicht lohnte im Land der aufgehenden Sonne telefonisch erreichbar zu sein, verstaute er Zeichenstifte und Papier in seiner Tasche für alle Einsätze, dem bandee:.

Den ersten Teil des Reisebrichtes gibt es nun hier auf dem bandee: Blog als “Vorabdruck”. Weitere Informationen zur Reise sowie zu den Arbeiten und Kursen von Christian Badel findet Ihr auf  http://www.kikifax.com/.

Spurensuche in Japan – im Herkunftsland des Manga. Ein Reisebericht von Christian Badel.

Auf einer 14-tägigen Reise ins Land der aufgehenden Sonne erhielt ich jede Menge erhellende Einblicke. Vieles blieb mir allerdings auch ein Rätsel. Schon bei der Anreise in Tokio zieht mich die Stadt in ihren Sog. Die größte Metropole der Welt erschlägt jeden Neuankömmling regelrecht mit ihrem enormen Tempo, dem nervösen Blinken der Neonreklame und dem ohrenbetäubenden Lärm.Es ist anfangs ein unübersichtliches Gewimmel. Fast 36 Millionen Menschen drängen sich in der Mega-City zusammen. Überall sind die bunten Manga-Figuren präsent. Ob in der Werbung, den Comicläden mit ihren lebensgroßen Actionhelden, den Pappkameraden zum Fotografieren oder sogar als Bus in Pandaform. In Japan ist Manga eine Massenkultur.

 

Die Comics gehören zum Alltag – es gibt sie millionenfach für jede Altersgruppe und zu jedem Thema: für Mädchen und Jungs, für Kinder und Jugendliche, Hausfrauen, Geschäftsleute, Mütter und Senioren, als Kochbücher und Gebrauchsanweisungen, als Krankenberichte oder auch erotische Manga. Die meisten Geschichten sind sehr einfach gestrickt. Wie im Märchen gibt es Gute und Böse, und es gibt immer eine Botschaft. Durch die einfachen Bildergeschichten erhält jeder einen direkten Zugang zur populären japanischen Kultur.

 

 

Knapp sieben Sekunden braucht man angeblich durchschnittlich für eine Seite. Da schafft man auf der Bahnfahrt zur Arbeit locker mehrere hundert Seiten. Sind sie ausgelesen, werden die Manga weggeworfen. Die wöchentlichen Magazine werden für umgerechnet 2,50 bis 5,-€ verkauft. In Tokio, Kyõto und anderen Großstädten gibt es aber auch Bibliotheken, die ausschließlich mit Comic-Büchern bestückt sind.

Neben der Massenware hat in Japan auch Ernsthaftes großen Erfolg. Ein Beispiel dafür ist Keiichi Nakazawas „Barfuß durch Hiroschima“ (http://www.carlsen.de/serie/barfuss-durch-hiroshima/18749), das die Kindheit des Autors in der atombombenzerstörten Stadt schildert. In kurzer Zeit verkaufte sich das fast 2000 Seiten zählende Zeichen-Werk mehr als eine Million Mal. Es war einer der ersten Manga, die in Deutschland gedruckt wurden. Die Auseinandersetzung mit dem Phänomen Manga lohnt sich. Wenn man die ersten Berührungsängste mit dieser etwas fremden Form überwindet, kann man spannende Entdeckungen machen. Und ob wir wollen oder nicht: DieManga-Welle wird uns einholen. Es hat längst schon angefangen.

 

Illustrator Christian Badel mit bandee in Japan.

 

Vorsichtige Annäherung an das Medium Manga

Der Begriff „Manga“ ist mir seit langem bekannt. Einmal durch meine Arbeit als Illustrator aber vor allem über die Schülerinnen und Schüler in den Comicworkshops, die ich anbiete. Anfangs habe ich die Begeisterung für Manga und Nachahmfreude der Schüler mit Befremden betrachtet. Die ungewohnte Leserichtung von hinten nach vorne, die fremdartige Bildsprache und die rasante filmschnittähnliche Bildabfolge fand ich zwar interessant, aber die sehr simplen Handlungen und vor allem die einseitige Niedlichkeitsästhetik oder Gewaltdarstellung vieler Manga hielten mich davon ab, mich tatsächlich näher damit zu beschäftigen. Doch der anhaltende Boom machte mich immer neugieriger.

Die Begeisterung und Ausdauer der Kids, sich in die Welten ihrer Comic-Helden hineinzudenken und sich Techniken anzueignen, faszinierten mich. Was ist es, das sie dabei so stark motiviert? Ausdauernd eifern sie ihren Vorbildern nach, kopieren und feilen viele Stunden an ihren Zeichnungen, meistens um Fan-Arts zu produzieren. Monatelang basteln sie an aufwändigen Kostümen. Sie schaffen sich so etwas wie ihre eigene Welt.

 

 

Eingefleischte Manga- Fans begegnen sich aber nicht nur im Internet in diversen Manga-Foren, sondern treffen sich auch real regelmäßig zu Manga-Events, Festivals oder im Manga-Bereich auf den Buchmessen. Manga ist nach und nach Teil einer sehr quirligen und lebendigen Jugendbewegung bei uns geworden. Sie hat ihre eigene Sprache, Kommunikationsformen, Symbole und Musik. Das machte mich neugierig, dem Phänomen im Ursprungsland auf den Grund zu gehen.

Ein Preis der Boschstiftung machte es dann möglich. Für ein Kunstprojekt, daß ich mit Kindern an der Jugendkunstschule Pankow durchgeführt hatte, wurde ich mit dem Deutsch-Japanischen Freundschaftspreis und einer Reise ins Land der aufgehenden Sonne ausgezeichnet.

Dort traf ich meine Projektpartnerin, Miho Yamanari, eine Japanische Künstlerin und tauchte eine andere Welt, die aber auch wieder viele überraschende Gemeinsamkeiten offenbarte.

Weiter Infos zur Reise, den Zeichenkursen und den Arbeiten von Christian Badel findet Ihr unter:  http://www.kikifax.com/

 

 

 

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