Anders Sehen e.V. – mit der Klicklaut-Methode in eine neue Welt des Sehens.

Vor einigen Wochen gab es hier auf dem bandee: Blog einen Beitrag über den fliegenden Baumgartner und seinem „heldenhaften“? Sprung aus dem beinahe Weltraum. Ziemlich schnell war damals die Diskussion im gang, ob das Stuss oder Mut oder nur Geschäftemacherei ist. Wir wollten uns nicht für einen Faktor entscheiden und kamen auf den Punkt, dass es sich wohl um alles drei gemeinsam handeln muss. Die Diskussion wurde aber letztlich zum Ausgangspunkt um eine kleine Reihe von Blogbeiträgen zu starten die hier nun gelegentlich aufblitzen wird. „Unsere Helden“ In diesem Zusammenhang möchten wir Euch heute den Verein Anderes Sehen e.V. vorstellen, der auf die persönliche Initiative von Ellen Schweizer und Steffen Zimmermann hin gegründet wurde und mit viel Engagement und Spendengeldern weiter aufgebaut wird.

Anderes Sehen e.V. Zur Förderung blinder Kinder.

Anderes Sehen meint eine andere Form des Sehens. Eine, die nicht auf gesunde Augen angewiesen ist, eine die entsteht, wenn ein Klicklaut oder Schnalzen ausgesandt wird und die Reflektion der Schallwellen vom Ohr zum Gehirn geleitet werden um dort zu einem Bild zusammengesetzt zu werden. Fledermausprinzip.

Schall wird zu Bild. Wahnsinn!!!!

Ich habe zu Beginn nicht geglaubt, dass das irgendwie möglich sein könnte, aber es geht tatsächlich.

Für einen Durchschnittsheini wie mich war die erste Konfrontation mit der Möglichkeit der Klicklauttechnik so, als würde einer ein Fenster aufmachen und sagen: „Hey, steig durch, da drüben ist Italien….“

Es läuft im groben tatsächlich so ab, dass die blinde Person einen Klicklaut erzeugt der im Gehirn (im visuellen Kortex) in ein Bild umgewandelt wird: Das dabei entstehende Bild liefert dabei keine detaillierten Informationen über Farben, Muster oder – oder – oder, aber, es bringt den Blinden, in eine Welt in der er sich bewegen, kommunizieren, Dinge auf eine Art erkennen kann die ihm ohne diese Technik verborgen bleiben würden.

Es ist eigentlich wie ein Wunder, das Geschenk des zweiten Sehens, erreichbar dadurch, dass unser Gehirn scheinbar in der Lage ist, Audiosignale in visuelle Informationen umzuwandeln. Betrachtet man die Rekonstruktion eines solchen Klicklautbildes (siehe oben) versteht man sofort, dass zwischen dem, was ich mir bislang unter Blind und Schwarz und nichts sehen vorgestellt habe und den sich aus dieser Technik ergebenden Chancen ein ganzes Universum liegt.

kletterndes blindes Mädchen

Wie ich feststellen musste, ist dieses Universum bei mir eines des nicht Wissens und vorurteilsbehafteten Umgang mit dem Thema „Blindsein“. Blind sein, dachte ich, ist ein Problem alter Menschen. Menschen, die vielleicht während des Krieges oder so……………….

Als Ellen nun zu mir ins Büro kam und mir von ihrer blinden Tochter erzählte war das irgendwie ein Schlag. Ich habe selbst Kinder – wie wäre das gewesen, wenn? Hätte ich/wir die Kraft gehabt? Solche und ähnliche Fragen gingen mir durch den Kopf und ich dachte – oh Gott, was kann man denn da machen? Operieren? Heilen, irgendwie?

Machen kann man viel, definitiv, aber wie es scheint ist es wohl so, dass vieles von dem was man machen könnte um Kinder zu fördern, die von Geburt an blind sind oder bereits früh erblindeten, nicht einfach selbstverständlich ist. Scheinbar beginnt ein Großteil der Förderung blinder Kinder derzeit erst in einem Alter, in dem man bereits längst hätte erste Schritte der Frühförderung unternehmen können.

Ellen war übrigens bei mir im Büro um für einen Workshop den Sie gerade vorbereitete, Schlafbrillen zu bedrucken. Schlafbrillen, welche die Teilnehmer aufsetzten sollten, um während des Kurses dem „Blindsein“ der Kinder näher zu kommen und um nicht schummeln zu können wenns mal „brenzlig“ wird.

Der Workshop den Sie vorbereitete wurde von Daniel Kish geleitet, einem außergewöhnlichen Mann, der, wie Ihr leicht selbst feststellen könnt, über erstaunliche Fähigkeiten verfügt, die jedoch nicht personenspezifisch nur auf ihn zutreffen sondern eben erlernbar sind. http://www.youtube.com/watch?v=GYWpxmcHTOc

Daniel Kish (http://www.worldaccessfortheblind.org/) erzeugt mit der beschriebenen Technik Klicklaute mit der Zunge und schafft sich so eine interpretierbare Echolandschaft, die im visuellen Cortex zu einem Bild umgeformt wird. Ich sitze staunend vor dem Rechner. Es ist phänomenal und nach einiger Zeit frage ich mich, warum ich da noch niemals was von gehört habe. Wie kann es sein, dass eine solche  fundamentale Erweiterung des menschlichen Instrumenariuums zur  Wahrnehmung der umgebenden Welt in dieser winzigen Nische verharrt?

Geht mal auf das youtube Video von Daniel Kish. Ich denke, es wird Euch wie mir gehen, am Anfang denkt ihr uuups? Aber gebt dem Mann zwei Minuten ……. Schließt Eure Augen, es ist es wert. Es wird mir klar, dass ich mein Bild vom Blindsein überdenken muss und ich erkenne, was Ellen und Steffen meinen wenn Sie von der “Keine Grenzen Haltung” sprechen, nämlich , dass wir Sehenden keine Grenzen aufbauen oder bestehen lassen sollten denen Blinde garnicht unterliegen.

Mittlerweile ist der Workshop gelaufen und er war ein guter Erfolg. Ich habe den beiden für Daniel Kish ein bandee: mitgegeben und hoffe, er findet es ein wenig praktisch und möglicherweise hilfreich wenn er mal wieder mit dem Rad unterwegs ist. Ellen und Steffen leisten mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit eine Pionierarbeit für etwas, das eine echte Bereicherung für blinde Menschen ist.

Diese Technik zu verbreiten schafft mehr Freiheit, mehr Gerechtigkeit, mehr Chancen für blinde Menschen und ich ziehe mein Käppi vor dem Engagement und der Offenheit mit der Ellen Schweizer und Steffen Zimmermann neue Wege beschreiten und dann noch andere Menschen mit ins Boot holen, um die eigenen Erfahrungen weiterzugeben. http://www.anderes-sehen.de

Die Webseite des Vereins ist wirklich sehenswert und bietet unglaublich viele Hinweise und Quellen und Informationen die, wenn ihr Euch weiter informieren wollt, sicherlich sehr hilfreich sein werden. Ich werde diesen Blogbeitrag übrigens breit verteilen und bitte Euch das gleiche zu tun. Streut diesen Artikel raus und denkt mal wie es wäre, wenn andere Eltern blinder Kinder von einer Technik erführen, mit deren Hilfe sich das Leben des Kindes nachhaltig günstig beeinflussen ließe.

Ich will außerdem darauf hinweisen, dass gute Ideen immer auch Geld benötigen, um verbreitet und am Leben erhalten zu werden. Kurse wollen organisiert werden, Räume angemietet, Hilfen gegeben, Infomaterial erstellt werden und alles kostet Geld. Wenn Ihr also selbst was geben wollt, Eure Firma was spenden will oder Ihr die Omma davon überzeugt dass das Geld hier auch gut eingesetzt werden könnte, dann schaut mal, hier kommt der Link der Freude, denn es handelt sich um eine Online Spendenoption für die niemand zur Bank rennen muss.

http://www.anderes-sehen.de/wofur-wir-ihre-spende-einsetzen/

Anderes Sehen e.V.
Bank: GLS Gemeinschaftsbank 
BLZ: 43060967
Konto: 1132636400
Verwendungszweck: Spende

 

Für Spenden von außerhalb Deutschlands:
IBAN: DE89430609671132636400 
BIC: GENODEM1GLS
Anderes Sehen e.V. ist eingetragen beim Amtsgericht Berlin-Charlottenburg unter VR 31021 B, als gemeinnützig anerkannt mit dem Zweck “Förderung der Hilfe für Behinderte (§ 52 Abs. 2 Satz 1 Nr.(n) 10 AO)” und berechtigt für diese Zwecke Zuwendungsbestätigungen nach Vordruck (§ 50 Abs. 1 EStDV) auszustellen.

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