Zu Besuch bei: Thomas K. Müller – Bildhauer – Berlin

Ich bin schon einige Male an dem Schild “Thomas K. Müller – Bildhauer” vorbei gelaufen und habe dabei in den Garten gelinst, immerhin liegt das Grundstück auf meinem Nachhauseweg ganz nahe bei mir. Vielleicht, dachte ich, lässt sich ja hier und da eine Blick auf die Bildhauerei – einen hammerschwingenden Mann, eine schöne Muse erhaschen?

.......da ist sie ja, die Muse.

Immer war da, vor allem von  letzterem nichts zu sehen, zumindest nicht von aussen.  Da ich ja hier im Blog immer wieder mal Personen vorstelle, die in meinem Umfeld leben und was interessantes machen, reifte die Idee, den Mann zu besuchen, zu fragen, zu sehen was er so arbeitet, herstellt, gestaltet.  Fragen auf die ich heute eine Antwort geben kann, denn ich habe geklingelt, habe: “Hallo, ich bin der …” gesagt und einen großartigen Mann kennen gelernt, einen echten Bildhauer und Künstler.

Bildhauer mit Brille - Thomas K. Müller

Wenn ich auf jemanden treffe, der sein Handwerk beherrscht, empfinde ich oft überschwängliche Freude und Respekt aber auch einen Funken Neid. Ganz besonders geht mir das bei Pianisten so und nun seit gestern auch bei Bildhauern. Ich muss dazu sagen, ich spiele etwas Klavier und schnitze auch ganz gerne mal was, bewege mich aber ehr auf bescheidenem Holzlöffel und Michel aus Lönneberga Niveau.

Lieber Gott, denke ich, lass mich jetzt nicht den Satz sagen: “Ich habe auch schon mal was geschnitzt”!

Thomas K. Müller, ein großer, impossanter, gut aussehender Mann. Wenn ich einen Bildhauer erfinden müsste, so sollte er ausschauen.

Johannes Rau von Thomas K. Müller.

Hey – dich kenn ich! Ist das der  Johannes Rau? Was macht der denn in Ihrem Schuppen? Es stellt sich raus, daß TKM das Portrait für das Grabmahl von Johannes Rau gebaut hat – geschaffen hat – gebildhauert hat.  Ich merke, daß ich mich schon rein nomenklaturtechnisch auf ziemlich dünnem Eis bewege.  Handelt es sich eigentlich bei einem Portrait um Kunst oder um Handwerk? Ich meine, wenn schon jemand da ist, man das Objekt also nicht erfinden muss…..?

Wenn ich an die alten Maler denke und Ihre Modelle wird es einleuchtend, daß hier der Begriff Kunst angebracht ist. Klar ist das Kunst und deshalb ist TKM auch als Künstler zu bezeichnen und legt sich mitlerweile auch nicht mehr auf bestimmte Techniken fest. Malerei, Bildhauerei, Skulptur, Porträtplastik aus Bronze. Von allem findet sich hier etwas. Mal figürlich, mal abstrakt. Ich stehe und staune.

Als “normalo” bin ich natürlich vor allem von dem fasziniert was ich verstehe. Klar bleibe ich auch anerkennend vor dem abstrakten stehen und nicke artig wissend. Was das aber alles sein soll, keine Ahnung. Ich lerne allerdings auch, daß das Erkennen und Verstehen nicht sofort das wichtigste ist. Für mich ist es das zwar schon, aber scheinbar gibt es Leute, die die Spannung etwas nicht zu verstehen oder etwas “sein” zu lassen, so wie es ist, deutlich besser aushalten als ich.

Ah – Bronze, Marmor, das check ich wieder. “Direkt aus Carrara, ganz wie beim alten Michelangelo”. Und noch eine Büste. Reinhard Führer – “den habe ich füs Berliner Abgeordnetenhaus gemacht”. Ich muss eingestehen, daß der Ruf von Reinhard Führer nicht bis zu mir vorgedrungen ist, aber den Herrn daneben, Thomas Bernhard kenne ich schon vom sehen.

Portrait: Thomas Bernhard von Thomas K. Müller

Hier lässt sich die Kreativität mit Händen fassen. Hier, an diesem Ort, liegt etwas in der Luft, was Lust darauf macht loszulegen, zu Arbeiten, was zu schaffen, mit den Händen im Ton zu wühlen, aus Baumstämmen Figuren zu klopfen oder schwere Bronzebarren rumzuschleppen in dem Wissen, daß daraus mal eine Skulptur wird. Meine alte Eso-Pfeiffe Bernd würde hier 100%ig von einem Kraftort sprechen. Es riecht gut, im Hinterzimmer trocknet Holz für neuen Skulpturen.

Ich zwinge mich, nicht darauf hinzuweisen, daß ich auch schon mal was geschnitzt habe.

Du arbeitest auch mit allem was sich Formen lässt? Holz, Bronze, Gips, Ton! Ich dachte, Ton ist ehr so was für den Töpferkurs der VHS und nicht was für Bildhauer? “Auch der „neue Wilde“ Jonathan Meese modelliert, wie ich, klassisch mit Ton”.  Jonathan Meese memoriert mein Hirn für die nächste Googlesitzung und dabei nicke ich artig.

Nahtlos bin ich mitlerweile beim “DU” angekommen und das scheint auch zu passen. Wir fühlen uns wohl, es gibt lecker  Kuchen.

Eine wahre Freude. Ein Arbeitsplatz mit dem man zusammen leben möchte.

Ein Atelier gibt es auch. Es ist wunderschön und irgendwie genauso, wie ich es mir vorgestellt habe. Überall liegt etwas. Spachtel, Kellen, Feilen, Hämmer, Stecheisen, eine Hebebühne. Der Boden ist voller Farbflecken und zeugt von der Malerei des TKM. Mitlerweile wäre ich auch bereit den Fußboden des Ateliers als Gesamtkunstwerk zu akzeptieren.

An der Wand ein Fries mit dicken Kindern, aus Gips gefertigt. Das Vorläuferstadium aus Ton, allerdings ein anderes Motiv findet sich auch in der Werkstatt.

Was könnte man denn noch so fragen? Was verdienst Du denn so mit deiner Kunst? Nogo – klappe halten. Der Mann lebt gut, es ist auf jeden Fall alles so da was man so braucht. Aber, interessieren würde es mich natürlich schon. Lässt sich von Bildhauerei leben. Hat auch derjenige sein Auskommen, der da nicht gerade in der Champions League spielt? Ich frag nach Vorbildern. Ich denke, irgendwie müssten sich alle Bildhauer an der griechischen Antike orientieren, aber – nö.  “Wichtige, große Kollegen und Einflüsse kommen von:  Henry Moore, Alberto Giacometti oder Chillida, der steht vor dem Kanzleramt”.

Ich kenne zwei der drei Namen, das ist schon mal super, so richtig was gescheites will mir aber nicht zu den drei genannten einfallen, ich glaube aber, daß die drei es mir nicht übel nehmen wenn ich zu ihrem Schaffen dann doch besser schweige.

Dann kommt mir was gescheites ins Hirn – etwas das man jeden Künstler fragen können sollte ohne was falsch zu machen. Stellst Du auch aus – frag ich – und hab dabei meine wichtigwichtigichhabwasgefragt Miene aufgesetzt? Volltreffer, er stellt aus. Irgendwie bin ich jetzt aber plötzlich gefühlt in der Zwickmühle. Hat sich das jetzt so wichtig angehört, als würde ich was kaufen wollen? Nicht, das mir hier nichts gefällt, die Malerei ist superklasse, die auf dem Rücken liegende Ameise find ich hinreißend, aber ich kann nicht monatelang arbeiten, um mir dann ein großes Holzinsekt zu kaufen. “Klar stelle ich auch aus. Ich hatte schon Ausstellungen in vielen Galerien Berlins, die Nächste ist vom 9.3. bis 13.4 2013, Ausstellungseröffnung ist am Freitag den 8.3 um 19.30 Uhr. Willst Du zur Eröffnung kommen?

Plastiken, Portraits, Friese, Statuen, Skulpturen ......

Ich, echt? Ich wurde eben zu einer Ausstellungseröffnung eingeladen – grins. Keine Sekunde war da ein – kauf was – Ton, Gefühl. Ich bin glücklich. Was für ein schöner Besuch, was für ein Garten, was für großartige Arbeiten, was für ein klasse Kuchen! Was soll man da noch sagen?

Im Gehen fällt mir noch was ein: Ach, übrigens, ich schnitze auch manchmal was……!

Die besagte Ausstellung findet vom 09.03.2013 bis zum 14.04.2013 in Berlin, in der Galerie am Amalienpark, Pankow, Berlin statt. Einen Link zur Ausstellung findet Ihr hier: http://tinyurl.com/bhjg2wq

Die Homepage von Thomas K. Müller findet ihr unter folgender Adresse: http://www.thomaskmueller.de/index.html

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